Kennt ihr eine dieser unsäglichen YouTube-Spiralen die einen seltsamerweise zu Videos führen, von denen man irgendwann denkt “Wie zum Teufel konnte das passieren”?! Nun so schlimm ist das Video des britischen Museums zu einem der ältesten Spiele der Welt nicht, aber seltsam genug um zu einem seltsamen Projekt zu führen das nun nach über einem Jahr abgeschlossen ist.

Das königliche Spiel von Ur

In Ur, im Irak, fand ein britischer Archäologe bei einer Ausgrabung mehrere ähnlich aussehende Bretter, die, wie sich herausstellte, Spielbretter waren. Spielbretter für ein Spiel, das in dieser oder in anderen aber sehr ähnlichen Versionen im alten Ägypten und im heutigen Kochi in Indien gespielt wurden und werden.

Die Spielregeln zu diesem Spiel wurden von Irvin Finkel, der im Museum für britische Archäologie arbeitet, von einer babylonischen Steintafel übersetzt und mit ein bisschen gesundem Gamerverstand soweit rekonstruiert, dass sich eine Art kriegerisches Rennspiel daraus ergibt. Es gibt berechtigte Zweifel daran, ob das Spiel tatsächlich so gespielt wurde wie Irvin Finkle es rekonstruierte. Die Regeln sind jünger als die gefundenen Tafeln, davon jedoch unabhängig ergibt sich durch die Interpretation ein recht ausgewogenes Spiel um Strategie und Glück, auf das wohl auch gewettet wurde. Unser modernes Äquivalent zu diesem Spiel ist übrigens Backgammon.

Es wird vermutet, dass diese Art von Spielen so bekannt und beliebt war, dass sie durch alle Gesellschaftsschichten gespielt wurde. Sogar spirituelle Bedeutung soll es gehabt haben, mit unterschiedlichen Zeichen auf Feldern wurden unterschiedliche Eigenschaften assoziiert.

Spiele für die kurze Weile

Beim LARP ergeben sich immer wieder Zeiten, in denen man nicht angegriffen wird, oder man eine Pause braucht. In solchen Momenten kann man sich Tätigkeiten suchen, um die kurze Weile zu vertreiben oder zu nutzen. Manchmal ist ein Nickerchen der richtige Zeitvertreib, ausstehende Handarbeiten oder das Ausbessern von Kleidung bieten sich an, wobei Spiele spielen der wohl beliebteste Zeitvertreib ist.

Die meisten dieser Spiele sind nachgebaute moderne Spiele wie Quarto oder einfache Würfelspiele wie 42-18. Andere sind Nachbauten historischer Spiele wie Hnefatafl oder Lustige Sieben und eigentlich sucht man immer wieder neue Spiele, die sich ohne all zu viel Aufwand nachbauen und dann dementsprechend spielen lassen. Bei dem königlichen Spiel von Ur ist die Adaption praktisch perfekt. Also überlegte ich mir ein eigenes Spielfeld und schrieb darüber auf Twitter. Ein paar der Menschen in meiner Timeline mochten meine Idee und der liebe Benni Bähr war es, der mir konkret dabei half meine Idee von einem eigenen Spielbrett mit seinem Laser zu unterstützen.

Ein slawisches, nordisches, königliches Spiel von Ur

Ich habe mir, um ehrlich zu sein, keine tiefgreifenden Gedanken gemacht. Ich wollte einfach die Symbole gegen Runen austauschen um es äußerlich anzupassen. Die Feldersymbole wurden zum isländischen Vegvisir und ich kreierte ein paar gebundene Runen die gut zu den anderen Feldern passten. Ich erstellte also eine Vektordatei und sandte Benni diese zu. Nach ein paar Probelasersessions in seinem Livestream auf YouTube war klar, dass die Datei sowie das Projekt noch ein wenig mehr Arbeit brauchen würden.

Meine eigene Herausforderung waren die Würfel. Irvin Finkel benutzt in dem Video vier Tetraeder mit zwei markierten Ecken. Im Netz habe ich keine gefunden, die mir gefallen haben, und so formte ich mithilfe einem meiner Rollenspielwürfel und Zwei-Komponenten-Formmasse sowie Fimo meine Eigenen ab. Das Ergebnis ist uneben und ich mag das Gefühl von Plastik nicht, aber ich habe noch keine bessere Alternative finden können, weswegen sie für die ersten paar Runden wohl reichen, zumindest bis sich etwas Besseres gefunden hat.

Meine Spielsteine sind eigentlich Runensteine aus drei bunten Futhark-Sets die ich ursprünglich als Gimmick für meinen Geburtstag besorgt hatte (damit jeder Gast seine Glücksrune ziehen kann) doch weil die Lieferung sich so sehr verspätete wurde daraus nichts und jeweils sieben Tigeraugen und rote Jaspis funktioniere ich nun zu Spielsteinen um. Die darauf eingravierten Runen passen natürlich unfassbar gut zu dem Aussehen des Spielbrettes.

Das Bachenrennen von Wildsweendeern

Jeder SpielerIn hat sieben Steine (Bachen) im Steinpool (Rotte). Es wird abwechselnd gewürfelt und jeden Würfelwurf mit einer Bache gesetzt. Das Ziel des Spiels ist es, alle Bachen über das Schlachtfeld in den sicheren Stall zu bewegen und dabei möglichst viele gegnerische Bachen vom Schlachtfeld zu befördern. Die SpielerIn würfelt mit vier Tetraedern, von deren Ecken jeweils zwei markiert sind, und ziehen die in einem Wurf geworfene Anzahl an Punkten in Feldern. Wenn ein Wurf keine Punkte bringt wird nicht erneut gewürfelt. Zu keinem Zeitpunkt dürfen zwei Bachen auf einem Feld liegen! Gewürfelte Punkte müssen gezogen werden.

Die Laufrichtung zeigt, dass die Bachen auf sechs Feldern sicher vor Angriffen der gegnerischen Rotte sind, und die acht Felder des mittleren Stegs die Möglichkeit bieten, die andere Rotte zu bekämpfen und die Bache aus dem Spiel zurück in die Rotte des Gegenspielers zu bewegen. Bei jedem Würfelwurf kann die SpielerIn entscheiden ob sie einen der eigenen Bachen aus deren Rotte neben dem Spielfeld darauf ziehen will, oder ob eine der bereits auf dem Feld befindlichen Bachen bewegt werden soll, sofern Bachen auf dem Feld sind.

Die markierten drei Vegvisir-Felder in der eigenen, sicheren Zone geben der SpielerIn beim Betreten einen zweiten Würfelwurf. Das markierte Vegvisir-Feld auf dem mittleren Steg ist ein sicheres Feld, von dem man nicht geworfen werden kann. Um eine Bache ins sichere Lager zu bringen muss jede SpielerIn die Felderzahl bis zum Ziel plus eins erwürfeln.

Ich werde das Spiel zum ersten Mal Ende Januar auf einem kleinen Ambiente/Diplomatiecon spielen können und hoffe, dass es ein wenig die kurze Weile vertreibt und vielleicht wettet ja sogar jemand auf uns.

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