Am Ende des Jahres schreibt fast jeder einen Rückblick auf das, was ihm in den vergangenen zwölf Monaten bewegt hat oder was geschehen ist. Alle anderen wollen mit vergangenem nichts zu tun haben und bereiten sich lieber auf eine neue Version ihrer selbst im neuen Jahr vor. Die letzten bloglosen Jahre habe ich, angelehnt an die neun meist gelikten Bilder auf Instagram, meine persönlichen neun liebsten Bilder herausgesucht, sowie einen umfassenden Text über die Dinge, die mir in diesem Jahr wichtig waren, verfasst.

Dieses Jahr habe ich wieder einen Blog und kann repräsentative Bilder, sowie die von meiner Insta Community am meisten gemochten, in einem Post reflektieren ohne dabei einen klassischen Rückblick zu schreiben, sondern mich mal wieder darauf zu fokussieren was mir wichtig ist beziehungsweise wichtig war.

Philosophie des Geistes und Selbstreflektion

Kaum ein anderes Thema war und diesem Jahr für mich so präsent wie das Verarbeiten von Erlebnissen und Situationen die mich im Grund meines seins komplett erschüttert, wenn nicht sogar mürbe gemacht haben.

Wisst ihr, wenn man nämlich abseits der großen Themen der Weltpolitik merkt, dass die eigene kleine Welt schief liegt, man nicht schläft, oder jeden Tag mindestens einmal an jemanden oder ein Umstand denkt der einen traurig, wütend oder taub macht, dann beginnt man zu begreifen, dass mehr an einem nagt. Ich habe begriffen das meine Lebenssituation an mir nagt und ich hatte letztes Jahr endlich die Kraft mich damit zu beschäftigen.

Wie schon oft erwähnt halfen mir nicht nur die lieben und unterstützenden Menschen in meinem Leben dabei, sondern auch Bücher, die von mir forderten meine eingefahrenen und verhärteten Gedanken aufzuweichen und zu hinterfragen. Oft sehr unangenehm (im Bus in Tränen ausbrechen weil jemand einem erklärt warum das was man tut gemein ist bspw) und sicher hätte ich mir noch öfter auch bessere Hilfe holen sollen als das alles selbst mit mir auszumachen. Etwas das ich bereue aber wofür ich mich nicht schämen will.

Ich fand viel Hilfe in der stoischen Philosophie. Nicht um ein emotionsloser hinnehmender Roboter zu werden, der sich seinem Schicksal ergibt, sondern um zu erkennen, wie unkontrolliert meine Emotionen mich von positiven zu negativen Gemütslagen scheuchen ohne das ich etwas dagegen tun kann. Die stoischen Zitate und Denkansätze haben mir Notbremsen aufgezeigt und ich bin weitaus viel akzeptierender geworden was Geschehnisse betrifft die ich nicht kontrollieren kann aber auch konsequenter mit dem Umgang der Folgen dieser Geschehnisse für mich persönlich.

Ich werde diese Art der Selbstreflexion zu meinem eigenen Wohl beibehalten und weiterführen, auch weil ihr auf instagram viel Spaß an meinem stoischen Gedankenausflügen hattet, was mich unfassbar glücklich gemacht hat.

Mein Partner und meine Familie

Wenn ich mich sicher fühle, dann bei meinem Mann, meinen Katern und meiner Familie. Im letzten Jahr haben wir uns sehr entwickelt, wir haben miteinander an einander und uns gearbeitet. Ich weiß nicht wie andere Familien mit solchen Schicksalsschlägen umgehen aber ich bin sicher, dass jede Familie und jedes Individuum in einer Familie seinen eigenen Weg finden muss da es keinen Königsweg aus dem Tal gibt in das man plötzlich gekippt wird. Trauma inklusive.

Das Scheitern der Ehe meiner Eltern und der Verlust meines Papas hängt noch immer über uns, aber es dominiert mich nicht mehr. Es hat lange gedauert und es hat mich viel gekostet, emotional und physisch sowie sozial aber ich habe ein Symbol dafür gefunden, welches abschließt, mich erinnert und all seine Bedeutung fängt und hält. Es war etwas das ich für mich und mit mir selbst abgemacht habe und entscheiden musste. Das hatte nichts mit irgendwem zu tun, nur mit mir allein und wie ich das fühle und fühlte.

Zum Jahrestag mit meinem Mann habe ich sehr umfassend darüber geschrieben was mir die Partnerschaft mit ihm bedeutet und diese Ansicht hat sich dieses Jahr über weiter gefestigt. Natürlich ist nicht alles rosig und wir haben, abseits von dem was ich euch zeige, sehr viele Baustellen in unserer Beziehung, aber wir gehen sie an. Wir arbeiten daran und solange unsere guten Zeiten die miesen Momente bei weitem überstrahlen, habe ich keine Angst vor meiner Entscheidung mit ihm auch das nächste Jahr mein Leben zu bestreiten. Außerdem haben wir noch immer unsere zwei Kater, die das wohl mit wertvollste in unserem Leben sind.

Liebe, Verlust und Zufriedenheit

Stellt sich heraus, das ich im letzten Jahr eines der wohl emotionalsten Jahre erlebte. Kaum ein Jahr war von so viel Liebe und tiefgreifendem Verlust geprägt. Es ist egal ob es Nachwehen oder offensichtliche Wogen waren.

Emotionen sind nicht nur mein Motor um durchs Leben zu fahren oder der nervige Beifahrer der bei jeder Gelegenheit das Steuer des Logikkapitäns meiner Vernunft herum reißt. Emotionen sind mein ganzes fucking Fortbewegungsmittel und mein logischer Verstand sitzt am Lenkrad. Wenn ich emotional nicht funktioniere, funktioniert mein Leben nicht und keine ach so logische Idee oder rationale Entscheidung kann mein Emotionsauto wieder in Stand setzen. Meine Rationalität kann zwar dabei helfen mein Emotionsauto heile zu halten, aber dafür muss mein Emotionsauto auch emotional sein dürfen und es muss rechtzeitig anzeigen ab wann es was braucht, wo es ihm an etwas fehlt, damit sich mein Verstand darum kümmern kann.

Getankt mit Liebe, ein Platten vom Verlust und restauriert mit Zufriedenheit geht es dieses Jahr weiter, mal sehen wo mein Verstand hin will und wo meine Emotionen mich hinbringen.

Meine Freunde

Ich habe vielen meiner Freunde dieses Jahr und Jahre davor unrecht getan und das zu erkennen war die wohl schwierigste Lektion meines Lebens. Nicht, dass jeder von ihnen es bemerkt hätte, andere haben es bemerkt und sich abgewandt oder mir Vorwürfe gemacht, wieder andere haben mich daraufhin noch fester gehalten als ich es ertragen habe.

Ich liebe viele Menschen wirklich ehrlich und innig, doch trotzdem schaffe ich es nicht die Angst abzulegen enttäuscht zu werden. Diese Angst zu verlieren, die Angst davor missverstanden oder hintergangen zu werden. Diese Angst macht einsam und ich kann sie nicht abschütteln, weil sie zu oft bestätigt wurde.

Ich habe noch keinen Weg gefunden die Freundin zu sein, die ich sein will. Umso dankbarer bin ich jedem der mich als die Freundin empfindet die er braucht und für die man da sein will. Es ist mir wichtig eine gute Freundin zu sein und die Erwartungen die ich an andere Stelle selbst zu erfüllen ohne selbst darunter zu leiden.

Ich bin gerade deswegen jedem dankbar der festhält und festgehalten hat. Ich lasse euch nicht los, solange ihr nicht los lasst. Ich liebe euch sehr.

Die besten Hobbies der Welt

Ich habe mich im vergangenen Jahr so tief in meinen Hobbys verlieren dürfen wie selten zuvor. Bis aufs Motorrad fahren habe ich mich auf so vieles so sehr konzentrieren können, dass der Ausgleich zu meinem restlichen Leben eine für mich perfekte Balance bildete.

Der Kern meines Ausgleiches ist und bleibt meine stetig wachsende Leidenschaft für Live Action Role Play und all die Interessen und horizonterweiternden Begegnungen und Erlebnisse in einer Welt die von Gemeinschaft, Leidenschaft und hingebungsvollem Schöpfungswillen blüht. Ich habe hier die kreativsten und wunderbarsten Menschen kennen lernen dürfen und zähle viele davon zu meinen Freunden, egal wo sie wohnen.

Der Beginn meines neuen und bisher arbeitsintensivsten Charakters Wildsweendeern wird nun hoffentlich im neuen Jahr Früchte tragen, wenn ich sie endlich spielen darf und dann auch unabhängig der Cons, auf denen sie als GSC eine spielliefernde Rolle einnimmt, Abenteuer mit meinem ersten kämpfenden Charakter erleben darf. Die Menschen die mir das spielen dieser Rolle ermöglichen sind mir so sehr ans Herz gewachsen und ich bin so gespannt was die im nächsten Jahr beginnende Spielreihe für neue Erlebnisse mit sich bringt.

Ich weiß noch nicht auf welchen Abenteuern man meine Deerns nächstes Jahr wird sehen können aber ich bin sehr dankbar für alle Abenteuer die ich im letzten Jahr habe erleben dürfen und zu denen ich mitgenommen wurde und hoffe auch in Zukunft an großartigen Cons teilnehmen zu dürfen, denn die Ideen für die Gemeinschaft der Larper geht nie zu Ende.

Ich habe im Rahmen dieses Hobbies so unfassbar viele tolle Handarbeiten gemacht, die ich alle gar nicht veröffentlichte. Ich hoffe im Rahmen des Blogs ein wenig mehr darüber schreiben zu können und auch wieder mehr darüber auf Instagram berichten zu können, wenn es mich zwickt und ich mich für eine Woche kopfüber in aberwitzige Projektideen verrenne. Immerhin habe ich jetzt ein Kettenhemd mit Leder umsäumt, eine Lederrüstung umgestaltet, unzählige Tuniken, Kleider und Hosen genäht, Socken, Mützen und Handschuhe genadelt aber auch wieder gestrickt, Seife gegossen, Schmuck geknotet, geflochten und gebogen. Ich werde nicht müde zu erschaffen und hoffe nächstes Jahr auch größere Projekte anzupacken. Ich brauche dringend eine dieser Wikinger Holzkisten.. oder fünf..

Abseits vom Larp bleibt Gaming und Streaming ein Stützpfeiler meiner selbst. Nicht nur liebte ich dieses Jahr zu spielen, nein, meine Community ist eine, sich stetig wandelnde aber bleibende Konstante meines Alltags. Dieses letzte Jahr traf ich wieder viele neue Gesichter bekannter Nicknamen zum Community treffen und auch meine LARP Berichte haben das LARP Fieber in ein paar meiner Community Leute entfacht und vielleicht die liebevollste Umarmung eines Community Menschen auf einem Con bekommen, auf dem wir uns trafen. Gaming und die sich ständig entwickelnde und größer sowie sichtbarer werdende Masse an spielenden bot mir letztes Jahr die unfassbare Ehre Vorträge über Themen zu halten die unangenehm aber wichtig sind und ich werde nicht aufhören darüber zu reden. Ich werde nicht den Mund halten wenn es um Vielfalt in Games, Sexistische Kackscheiße in Gaming Communities und das Unterschätzen der Arbeit in der Games Branche als Streamer geht. Egal ob in Podcasts, auf Veranstaltungen oder regelmäßig in meinem Stream!

Außerdem lese ich wieder mehr Bücher!

Reisen, weglaufen und wiederkehren

Wir waren endlich wieder Reisen und zwar oft und vielleicht sogar öfter als jemals zuvor. Neben vielen kleinen Reisen nach Usedom oder auch München haben wir uns aufgemacht um endlich meinen Wunsch nach Skandinavien zu erfüllen. Auch die Reise nach Kopenhagen und Brügge waren für mich erfüllend und heilsam.

Jan und ich ermöglichen einander so vieles und so viel fantastisches. Nirgends sind wir mehr beieinander als auf Reisen. Hier zeigt sich für mich am deutlichsten wie gut wir als Team funktionieren. Oft bin ich mir bewusst das ich Reise um auch wegzulaufen und aus meinem Alltag zu brechen. Ich reise weil ich mich dort selbst los lassen kann, mich entwickle, mich genieße, es gleichzeitig hasse und liebe mich meinen Ängsten zu stellen und mich zu pushen ohne meinen Halt zu verlieren.

Natürlich haben wir fürs nächste Jahr schon erste Reisen geplant und wie unzählige Male schon erwähnt will ich nächstes Jahr endlich mit Freunden gemeinsam reisen. Edinburgh Schottland, Irland, Spanien und Island stehen an und ich kann kaum erwarten euch wieder mit zu nehmen und darüber zu berichten was wir erleben.

Berufung, Arbeit und Verdienst

Die letzten zwei Jahre waren für mich nicht nur persönlich turbulent, auch mein Arbeitsleben ließ mich nicht ruhen. Ganz im Gegenteil. Ganz besonders letztes Jahr nicht. Es gab viele Herausforderungen für mich in Hinsicht auf meine Arbeit und meinen Arbeitsplatz und ich blicke auf turbulente Veränderungen zurück, die mich unsicher gemacht gleichsam bestärkt haben.

Unsicher was man von meinem Beruf erwartet, unsicher welche Arbeit welchen Wert hat und ob Wertschätzung mit verdienst einher geht. Bestärkt bin ich dahingehend, dass ich weiß, was meine Berufung ist und das ich es verdiene etwas zu tun, dass ich mit Leidenschaft anpacken kann in einem Team das zusammen arbeitet.

Das ist wohl meine große Herausforderung im nächsten Jahr vor der ich auch Angst habe. Trotzdem werde ich aufbrechen und hoffentlich finde ich einen Ort zu dem ich passe und der zu mir passt.

Vermächtnis, Veränderung und Verzicht

Gerade weil es bisher so sehr persönlich war in diesem Post bliebt der Blick in die Turbulenten und angsteinflößenden Zeiten unserer Weltpolitik wohl nicht aus. Leute was ist derzeit nur los? Es fühlt sich an wie ein Strudel und ich halte ein Streichholz, eine Büroklammer sowie eine Kartoffel in der Hand und ich bin nicht fucking MacGyver.

Also tun wir alle mit den lächerlichen Dingen die wir erhalten haben das, was wir glauben uns allen am besten Hilft. Ich will nicht sagen, dass ich das Gefühl habe, das die Veränderungen die ich dieses Jahr in meinem persönlichen Leben und auch in dem meines Mannes gemacht habe die Lösung zur Klimakrise, dem Aufschwung von Rechtspopulismus oder der allgemeinen Wut aller allem gegenüber ist, aber ich bin nicht tatenlos!

Wir essen signifikant viel weniger Fleisch, im Supermarkt kaufe ich gar kein Fleisch mehr und ich hätte nicht gedacht das wir das so reflektiert und konsequent für uns entscheiden (nicht für die Katzen, die sind weiterhin Karnivor). Ich habe keinerlei Reisen für die Firma oder meiner selbstständigen Arbeitsreisen mit dem Flugzeug gemacht und werde davon auch zukünftig davon absehen. Ich kaufe mir nächstes Jahr ein Fahrrad und versuche so wenig Verbrennerfahrzeuge zu fahren, wenn auch andere alternativen möglich sind. Ich gehe nachhaltiger mit dem Thema Kleidung um, was für mich ein wahnsinniger Schritt ist, da ich als Frau außerhalb der Norm sowieso nur Probleme habe überhaupt passende Kleidung zu finden.

Außerdem stehe ich als Feministin nicht nur für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein, sondern wehre mich exzessiv gegen die rechte Bewegung, insbesondere die versteckten Nazis, die sich hinter dem neuen Odinismus/Wotanismus, konservativ, volksnahen, heimatliebenden Idealen verstecken. Ich bin sehr von der Kultur der vorchristlichen skandinavischen und nordeuropäischen Völker fasziniert, sodass es mich anwidert wie die neuen Rechten diese für ihre Zwecke instrumentalisieren und benutzen um die eigene Agenda gegen sogenannte “fremde Völker” zu rechtfertigen.

Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass jeder der sich nicht aktiv gegen diese rechten Tendenzen wehrt, sich nicht dagegen ausspricht und diese sogar duldet somit erst möglich macht.

Hoffnung und anderes geschehenes

Ich lese gerade Everything is f*cked von Mark Benson und eigentlich geht es in diesem Buch um Hoffnung und darum wie Hoffnung das einzige ist was den Menschen wirklich antreibt sich nicht kollektiv aus dem Leben zu katapultieren. Wir alle Hoffen auf etwas, einige hoffen in großem Maße, andere nur auf etwas kleines nettes am nächsten Tag.

Für mich ist Hoffnung nicht weniger Grund, die Flinte nicht ins Korn zu werfen. Die Hoffnung das es weiterhin gut bleibt und noch besser wird. Die Hoffnung das ich erreichen kann was ich mir vornehme und mich auch Dinge gut erwischen mit denen ich nicht gerechnet hätte. Ich sehe Hoffnungsvoll ins nächste Jahr und auch ins nächste Jahrzehnt. Ich hoffe für euch, das auch ihr weiterhin hoffnungsvoll sein werdet.

Neben diesen wirklich großen Themen waren Jan und ich letztes Jahr auf insgesamt 5 Hochzeiten gemeinsam und ich durfte sogar als plus eins eine weitere Hochzeit begleiten. Es wurde in unserem Freundeskreis vielen Tieren ein neues zu Hause gegeben und ein paar Babies geboren. Ich wurde 30, habe viele Pflanzen nicht umgebracht und es gab unmengen an gutem Essen, tollen Gesprächen und Erfahrungen und ich bin jedem dankbar der Teil meines Jahres war, egal ob gute oder schlechzte Zeiten.

Fotografien in diesem Post sind von mir selbst und unter anderem @luckgummi, Tobias Hage und @delink

OddBlog

Blogs werden aus vielen unterschiedlichen Gründen geschrieben. Für mich sind geschriebene Worte die sicherste Art meine Gedanken zu ordnen oder meine Erlebnisse zu erinnern. Ich hoffe, dass ein paar Menschen die mich kennen oder kennenlernen möchten, Lust bekommen meine Worte zu lesen und sich Zeit zu nehmen und mir eventuell auch zu Schreiben.

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