Es gibt vieles, das ich für mein Hobby selber herstelle. Ich nähe Kleidung und Taschen, besticke Wachstücher und bastle Schmuck. Ich bebrenne Leder, Holz und Dremel Spielsteine. Immer wieder stoße ich allerdings an meine Grenzen. Nicht alle Projekte kann man mit Nadel und Faden bewältigen und für manches braucht es einen Ort an dem man auch mal laut sein kann und das richtige Material, Werkzeug sowie Wissen vorhanden ist. Für eines dieser Projekte war ich kürzlich bei einem Freund, den ich beim LARP kennen lernte und dessen Vater eine mehr als gut ausgestattete Werkstatt hat in der wir eines dieser Projekte, welche ich am heimischen Esstisch einfach nicht gestemmt kriege, verwirklichen durfte. Also fuhr ich nach Elze und bastelte beim Marketender eine Lederschulter.

Zugegeben; mein Ausgangsmaterial ist eher semi gut. Die Leder Brustplatte die ich für Wildsweendeern bekam, war ein Geschenk, welches ich seit Erhalt modifiziere. Das Spaltleder ist steif, unelastisch pappig, nicht durchgefärbt und lediglich die raue Optik gefällt mir. Meine erste radikale Änderung war, sie unter der Brust zu zerteilen und mit einem hellen Konstrastfaden sowie weichen Restmöbelleder zu säumen. Den Schutz am Bauch bildet nun ein breiter fester Gürtel, während der untere Rüstungsteil einfach wegfällt. Abschließend bemalte ich die linke Seite des Brustpanzers mit Textilfarbe um weiter von der unzureichenden Qualität abzulenken. Die Schulterriemen, welche Brust und Rückenstück miteinander verbinden wirkten stets etwas leer und keine der gewöhnlichen erhältlichen Lederschultern gefielen mir, also recherchierte ich nach etwas anderem und fand schließlich Inspiration in God of War 4.

Die A-Symmetrie von Kratos Schulterschutz gefiel mir sofort und den Brustgurt brauchte ich nicht, da ich die Schulterplatten an meinem Brustschutz würde befestigen können. Kratos Schulterschutz war perfekt. Doch Computerspielkleidung lässt sich meist nicht einfach nachbauen, da nicht alle Kleidungsstücke physisch korrekt agieren und oft eher gut aussehen als wirklich zu funktionieren. Also braucht man nicht nur die hübsche Vorlage, sondern vor allen Dingen das Wissen wie solche Rüstungsteile in der echten Handhabe und an einem sich wirklich bewegenden Körper funktionieren. Denn oft schränken unbewegliche Rüstteile mehr ein, als das sie schützen.

Die Herausforderung war gesetzt. Mit den ersten Ideen zur Umsetzung im Kopf fuhr ich am Freitag Mittag nach Elze um mich für eineinhalb Arbeitstage bei meinem Kumpel einzunisten und gemeinsam zu basteln. Die Lederwerkstatt für mittelalterliches Allerlei befindet sich in einem Wohngebiet und hat ein kleines Ladengeschäft. Wirklich auftrumpfen tut die Ware auf ihrem Stand auf Mittelaltermärkten. Tatsächlich gibt es nicht nur fertige Beutel und Gürtel oder Handtaschen beim Marketender, nein, man kann bei Holger von Ziernieten über Rohleder auch Kernstäbe und Schaumstoffplatten für Larpwaffenbau erstehen. Ich war ein wenig überfordert von der Vielfältigkeit. Ohne Christian hätte ich mich niemals zurechtgefunden und war sehr froh, dass er half und mich ihm helfen ließ.

Der erste Schritt war das anpassen und ausmessen der einzelnen drei Platten um ein Schnittmuster zu erstellen. Dazu benutzten wir dünnen Schaumstoff, der ein Nebenprodukt ist das sonst weggeworfen werden würde. So ein Schnittmuster zu konstruieren frisst bereits einiges an Zeit. Hier und da wird getüftelt, geschoben und neu geschnitten. Anschließend übertrugen wir das Muster auf Pappe und schließlich auf Leder.

Jede der drei Platten besteht aus 3 Schichten Leder. Die unterste ist hierbei eine weiche Spaltlederschicht, dann die geflochtenen Lederriemen aus 2mm dickem Blankleder und einen 2mm Blanklederrahmen, der die Riemen zusammen hält. Insgesamt ist jede Platte ca 6mm dick und wir brauchten einen halben Quadratmeter Leder und hatten verhältnismäßig wenig Verschnitt. Die drei Platten haben wir relativ lose mithilfe von vierkant Lederschnüren aneinander und schließlich auch an der Rüstung befestigt. Ich kann die Schnürung anpassen und austauschen falls einer der Riemen mal aufgibt. Sie liegt flacher als ich dachte das sie liegen würde, aber das ist nicht so schlimm. Sie ist jetzt natürlich mit Abstand das wertvollste Teil der Rüstung und wird sicher nicht das letzte sein, was ich daran verändern werde. Irgendwann möchte ich mal einen Lammelar für Wildsweendeern bauen aber das hat sehr lange Zeit.

Da noch ein weiterer Freund dort in der Nähe wohnt hat er die Chance genutzt und die Rundschilde eingepackt, die er für Wildsweendeern und Wildsweenbroor selbst gebaut hat, damit ich auch ein bisschen an den Schweinchen auf der Vorderseite malen kann, allerdings habe ich hierfür kein Tutorial sondern nur ein Bild für euch Ich plane übrigens ebenfalls ein paar Holzkisten zu bauen um meinen Krempel noch authentischer zu transportieren. Hat jemand von euch eine Holzwerkstatt?

Der Marketender ist nun auch bei etsy zu finden und hoffentlich schaffen sie es die nächsten Tage ein paar mehr Produkte einzustellen. Natürlich gibt es auch einen Webshop und wenn man etwas wirklich besonderes haben möchte, kann man ihnen auch eine Mail( order@marketender.de) schreiben.

OddBlog

Blogs werden aus vielen unterschiedlichen Gründen geschrieben. Für mich sind geschriebene Worte die sicherste Art meine Gedanken zu ordnen oder meine Erlebnisse zu erinnern. Ich hoffe, dass ein paar Menschen die mich kennen oder kennenlernen möchten, Lust bekommen meine Worte zu lesen und sich Zeit zu nehmen und mir eventuell auch zu Schreiben.

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