Meine ersten Räucherstäbchen kaufte ich mit 14 und ich werde nie vergessen wie meine Mutter sie mir nach dem ersten anzünden direkt wieder verbot. Danach war ich in einem ein bisschen zwiegespaltenen und vorverurteilenden Verhältnis zum räuchern, außer es ging um geräucherte Lebensmittel! Letztere haben zwar wenig mit rituellem Räucherwerk zu tun aber warum ich nach Jahren wieder zu räuchern begann ist einen Post wert..

Eigentlich ist Räuchern vor allen Dingen als Begleitung von allerlei religiösen Ritualen bekannt. Weihrauch in Kathedralen, Räucherstäbchen in Tempeln und Salbei zum reinigen von Mensch, Tier, Ort und Gegenstand. Die Verwendung von Räucherwerk in solchen Kontexten löst in den meisten Menschen die ich kenne allerdings mehr Ablehnung und Urteil aus, als wohl notwendig wäre. Räucherwerk kommt oft mit seinem Set an esoterischem Geschwurbel und damit auch dem bösen Beigeschmack von Betrug über den ich schon mal im Bezug auf Tarot sprach. Dabei ist räuchern weit älter und spiritueller als viele wissen. Schon bei den Römern gibt es Hinweise darauf das sie Bitten mit Rauch zu ihren Göttern sandten, doch räuchern muss nicht ausschließlich mit Religion oder Lebensmittelaromatisierung zusammen hängen.

Ich mag Rauch

Klar, nicht jedem gefällt der Geruch von verbranntem oder Räucherwerk. In Jan löst es, egal ob aus der Küche oder meinen Post LARP Con Klamotten immer Unruhe oder Ablehnung aus und klar, nicht jeder Verbrennungsgeruch ist prinzipiell gut. Ich mag den Geruch von Lagerfeuer, Streichhölzern, oder geräucherten Lebensmitteln am liebsten. Ich fühle mich wohl mit dem Geruch von verbranntem Holz und viele der Erinnerungen die ich an Lagerfeuer habe sind schon seit meiner jüngsten Kindheit gut. Es erinnert mich Lieder und Geschichten beim Campen und an LARP Wochenenden. Er versetzt mich sofort in das losgelöste Gefühl von Gemeinsamkeit, Natur und wandernden Snacks und Schnapsflaschen. Immer wenn ich an einem Feuer sitze bin ich nämlich nicht zu Hause, meist weit entfernt von dem Internet und meinem Telefon, umrundet von Menschen die ich mag.

Lagerfeuer sind das für mich wohl heilsamste überhaupt und der Rauchgeruch erinnert mich daran. Gerüche beeinflussen viele Menschen stark und schaffen es Momente und Gefühle zu formen. Dabei ist auch egal ob es wirklich verbrennendes oder die moderne Variante von Duftöle, Durftkerzen oder Lufterfrischer sind. Viele benutzen Gerüche um sich wohler zu fühlen und auch um ein besonderes Gefühl zu erschaffen oder zu erinnern. Welche Gerüche man womit verbindet ist wohl sehr persönlich aber Lavendelduft soll dabei helfen ruhigeren Schlaf zu finden und nicht umsonst sind Duftkerzen in vielen Haushalten Standard.

Mein Ritual ums räuchern

Wie vorhin angeschnitten wird räuchern oft mit Religionen in Verbindung gebracht und das nicht zu unrecht. Nachweisbar wird Räucherwerk seit vielen Jahrhunderten in unterschiedlichsten Glaubensritualen verwendet um den Göttern Botschaften zu senden, sich zu berauschen und die Anwesenden auf die außeralltägliche Situation einzustellen. Sie sollen ihre eigentlichen Gedanken und Sorgen zurück lassen und sich auf das einlassen, was in dem Moment wichtig ist. Gerüche begleiten diesen Prozess und meiner Ansicht nach, ist das der Kern des räucherns. Ich habe Räucherwerk nie im Bezug zu Religion erlebt, bis auf das eine unsägliche Mal bei einer Kommunion als ich vom Weihrauch fürchterlich husten musste und bis auf das moderne Wohlfühlequivalent Aromaöl oder Duftkerzen habe ich lange kein Räucherwerk angefasst, bis in einer monatlichen Abobox so viele Räucherstäbchen waren, dass ich nicht umhin kam doch mal wieder zu probieren.

Ich hatte keinen Stäbchenhalter und so stellte ich anstelle des Dochts in ein Teelicht. Unangezündet riechen Räucherstäbchen oft gut, aber nie wie der tatsächliche Rauch beim schwelen und ich war allzeit bereit den kleinen Glutpunkt direkt im nächsten Blumentopf zu ersticken wenn nötig! Doch ich hatte Glück und das Stäbchen hinterließ, sobald das Verbrannte verflog, einen angenehmen Duft nach Rosen. Daraufhin zündete ich unregelmäßig, aber immer wieder Räucherstäbchen an und begann diese Zeit ungeplant mit Selfcare zu verbinden. Ich kochte mir dann Tee, nahm mir ein Buch oder Zeit zum bloggen, begann ganz unterbewusst, ohne zielführenden Plan ein Ritual mit dem Geruch der Räucherstäbchen zu assoziieren, in dem ich mir extra Zeit reservierte die mir gut tat.

Aber nicht jedes Räucherstäbchen is geil. Ich lernte auch, dass ich nicht gern esse während die Räucherstäbchen an sind und mehr als eines am Tag ist mir zu viel. Ich kann auch nicht jede Art Räucherstäbchenaroma mit Entspannung verbinden, einige riechen undefinierbar drückend oder zu parfümiert. In den meisten Fällen, versetzen sie mich aber in ein Mindset, dass mich vom Alltag ablenkt und zuweilen, gerade jetzt, brauche ich diese entspanntere Zeit für mich auf die sich mein Kopf schon mühelos einstellt wenn ich ein Räucherstäbchen entzünde.

Aber auch wenn Räucherstäbchen für einige schon zu tief im Esoteriksumpf stecken ist das nicht das Endlevel des räucherns. Zu meinem Geburtstag schenkte mir eine Freundin dann eine wunderschöne Muschel als Räucherschale und Palo Santo Holz sowie ein Salbeibündel zum räuchern. Ich entdeckte das alles von einer anderen und noch traditionelleren Seite. Es gibt nämlich viele Möglichkeiten zu Räuchern, wie Harze, Kegel oder Spänen. Das fühlt sich dann noch mystischer an als Räucherstäbchen. Smudging habe ich mir daher für die Momente reserviert in denen ich Karten oder Runen lege, meditiere oder tiefe Unruhe ausgleichen will, weil ich dann noch bewusster räuchere als sonst und ritualisiert symbolisch meine Umgebung und mich reinige.

Das hier fotografierte, sehr liebevoll gepackte und unfassbar gut riechende Smudge Kit ist von meiner wundervollen Freundin Anna Frost und für euch in ihrem Shop erhältlich. Es besteht aus einem Salbei Smudgestick, einem Bergkristall, Palo Santo Holz, einer kurzen Anleitung sowie einem Schälchen zum fangen der Asche. Perfekt um für sich selbst ein Ritual zu entdecken. Ein Ritual das beruhigt, reinigt und erdet.

Mysterien und Fakten rund ums räuchern

Oft geht es in Artikeln in Lifestyle Magazinen und Blogs darum, dem räuchern seinen mystischen, seltsamen Beigeschmack zu nehmen und neben medizinischen auch spirituellen Nutzen zu normalisieren. Bei meiner Recherche fand ich unzählige dieser mystisch angehauchten aber bloß nicht zu esoterischen Beiträge, die oft mit gefährlichem Halbwissen um sich werfen und auf den mystischen Hype aufspringen. Es gilt also auch hier die Regel, dass man mit gesundem Menschenverstand angepriesene Wirkungen hinterfragt. Ein Rosmarin, Salbei, Arnika Bündel zu räuchern heilt niemals Krebs. Generell ist räuchern eher harmlos. Wie auch beim Tarot sollte man immer selbst entscheiden, ob man sich damit wohl fühlt sich dem mystischen hin zu geben oder eben nicht. Räuchern ist auch meist eine Unterstützung und versinnbildlichend von etwas.

Die Herkunft dieser Rituale ist jedoch oft tief kulturell verankert. Das abbrennen von Smudgesticks oder auch Bündeln aus getrockneten Kräutern (meist weißer Salbei oder Mischungen) kommt beispielsweise ursprünglich aus der Kultur der Ureinwohner Nordamerikas und dem Glauben das Rauch negative Energien vertreibt, also reinigt. Die vier Elemente spiegeln die Verbundenheit zur Natur wieder. Muschelschalen werden als Räuchergefäß benutzt und stehen für das Wasser. Das Räucherwerk selbst ist aus der Erde gewachsen, die Flamme welche die schwelende Glut erzeugt ist das Feuer und der Rauch der entsteht repräsentiert die Luft. Der Rauch wird anschließend auf, über, in oder um dem zu reinigen Lebewesen, Ort oder Gegenstand, mithilfe einer Feder oder der Hand, verteilt um symbolisch zu reinigen. Die zurückbleibende Asche wird anschließend vergraben um sie der Erde zurück zu geben und die negative Energien frei zu lassen. Kanadischen Ureinwohner beschreiben dieses Ritual beispielsweise hier.

In Asien werden die Räucherstäbchen in großen Mengen an den Eingängen von Tempeln und Altaren in Sandschalen entzündet um bewusst Meditation und das Reinigen der Räume und Seelen zu unterstützen. Gebete zu den Ahnen zu tragen, die Götter zu besänftigen und ihnen zu huldigen. Ein schöner, leicht zu romantisierender Gedanke, wie ich finde.

Doch es ist auch bewiesen, dass das einatmen des beim räuchern entstehenden Rauches in großen Mengen schädlich ist. Nicht nur für euch selbst, sondern auch für Mitbewohner und Tiere die mit euch in eurem zu Hause leben. Nicht jeder mag den Geruch (Jan toleriert es meist bis zu einem Maß..) weswegen es wichtig ist zu bedenken, dass man nicht jeden Tag räuchern sollte, besonders wenn man durch Bronchien oder Asthmaleiden vorbelastet sollte. Räuchert immer Verantwortungsbewusst und gut zu lüftenden Räumen!

Mit medizinischem Räuchern habe ich mich bisher nicht befasst und wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit des tatsächlichen reinigens der Luft durch Salbeiräucherung habe ich, auch weil ich selten bis nie wissenschaftlich beweisen muss, nur in Form weiterer Artikel gefunden von denen auch einer erklärt das der Rauch zur Ionenumkehr beitragen soll. Infos dazu findet ihr hier

Es lässt sich zusammenfassend sagen, aus den unterschiedlichsten Gründen geräuchert wird und in vielen Kulturen und Religionen dient es der Unterstützung von Ritualen. Die Wirkung von medizinischen Kräutern und Ölen ist zum Teil wissenschaftlich belegt, will aber nicht leichtfertig genutzt werden, erst recht nicht wenn man kein fundiertes Hintergrundwissen und wissenschaftlich einwandfreie Belege. Gerüche beeinflussen offensichtlich unserer Wahrnehmung zum guten sowie zum schlechten. Wie so oft sollte man nicht vorschnell Urteilen und die Stigmata des Räucherns besänftigen. Jeder muss verantwortungsvoll mit der Thematik umgehen und niemandem schaden oder Räucherwerk nie unbeachtet schwelen lassen. Trotzdem möchte ich noch einmal wiederholen, dass ihr kein Geld für esoterische Dienstleistungen ausgeben solltet und ihr euch vorher gründlich informieren müsst.

Achja, bitte beginnt nicht damit einfach so Gläser zu rücken. Some things are better left alone.

Falls ihr fragen habt, oder etwas anderes rund ums räuchern wissen möchtet oder erzählen mögt, schreibt mir gern auf Twitter oder Instagram!

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